Auf ein Wort zur Green IT |
Kommentar von Detlef Herb |
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Worum geht es bei der Green IT? Hat eine ganze Branche auf einmal ihr Herz für den Umweltschutz entdeckt, ist alles eine clevere Marketingstrategie oder reagieren die Hersteller lediglich auf den Druck von Umweltverbänden und staatlichen Verordnungen? Unstrittig ist zunächst, dass sich auf breiter Ebene die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass nicht nur die üblichen „Verdächtigen“ wie Autos, Flugzeuge oder Energie-Kraftwerke die Umwelt erheblich belasten.
Ein Großteil der durch IT-Produkte hervorgerufenen Umweltbelastungen entsteht bereits bei der Produktion von PCs und Peripheriegeräten. Leuchtschichten von Monitoren oder die Verwendung von Halogenen wie Chlor, Fluor, Jod oder Brom sind hier nur Beispiele. Auch der Einsatz von Blei in Platinen und Verkabelungen macht den Umweltschützern immer noch Sorgen. Zwar ließ sich in den letzten Jahren, seit Inkrafttreten des Elektro-Gesetzes, ein leichter Rückgang der Belastungen verzeichnen, aber sie sind noch immer recht hoch. Nach Angaben des WWF fallen allein in Deutschland jährlich 110.000 Tonnen mehr oder minder recycelbaren IT-Schrotts an – Verpackungsmüll gar nicht erst mitgerechnet. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Energiebedarf vieler IT-Geräte. Nach Schätzungen des Worldwatch Institute liegt der weltweite Energieverbrauch aller Computer bei etwa 240 Mrd. Kilowattstunden pro Jahr, dies entspricht etwa dem Energiebedarf Brasiliens.
Die Möglichkeiten, den hier nur angerissenen Herausforderungen nachhaltig und möglichst schnell zu begegnen, werden auf vielen Ebenen bereits umgesetzt. So sorgen der Einsatz von recycelbaren Materialien, der weitestmögliche Verzicht auf umweltbelastende Bauteile und die Entwicklung energiesparender Techniken schon heute für interessante Alternativen. Darüber hinaus sind viele IT-Geräte so konstruiert, dass die Bauelemente durch ihre extreme Langlebigkeit erheblich zur Abfallvermeidung beitragen. Zur Verringerung des Verpackungsmülls setzen einige Unternehmen außerdem keine Kunststoff oder Styroporteile mehr ein, sondern verwenden umweltfreundliche Recycling-Pappe.
Nichtsdestotrotz kann die IT-Industrie nur Angebote für einen nachhaltigeren Umweltschutz machen. Letztlich muss der Verbraucher entscheiden, ob sich die unter dem Begriff „Green IT“ zusammengefassten Innovationen und Produkte auf Dauer durchsetzen werden. Die Chancen dafür sind sehr gut, denn vielfach sind umweltschonende Lösungen nicht teurer als herkömmliche Produkte. Vor allem wenn man die gesamten TCOs einbezieht. An dieser Stelle müssen sich allerdings viele Hersteller noch stärker engagieren, denn der Aufklärungs- und Informationsbedarf auf Seiten der Kunden ist weiterhin sehr hoch. Die Diskussion um die Green IT, vor welchem Hintergrund auch immer sie geführt wird, ist also sehr zu begrüßen, denn sie trägt dazu bei, ein neues Bewusstsein für nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen bei Produzenten und Kunden zu schaffen. Eine Plattform mit Informationen zum Thema Green IT und Klimaschutz finden Sie unter www.gruene-it.org. |
Die Wende ist noch nicht eingetreten |
Interview mit Professor Klaus Töpfer |
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Herr Professor Töpfer, zur Jahrtausendwende haben Sie gefordert, dieses Jahrhundert müsse das Jahrhundert der Umwelt sein. Können Sie schon eine Wende zum Besseren feststellen? Klaus Töpfer: In 2007 haben sich weltweit Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft auf die Herausforderungen des Klimawandels und der Umweltbelastungen konzentriert. Dennoch: Die Wende ist noch nicht im nötigen Umfang eingetreten. Die weiterhin massiv ansteigende Weltbevölkerung,besonders in den Schwellenländern, aber auch nach wie vor in den Industriestaaten, und die wirtschaftliche Dynamik, besonders in den Industriestaaten, bringt das „Raumschiff Erde“ wirklich in Atemnot. Wir dürfen uns nicht täuschen lassen: Die Reparatur der Ozonschicht ist zwar in Gang gekommen und in den Industriestaaten hat man die Luftschadstoffe Schwefeldioxid und Stickoxid einigermaßen im Griff. Auch die Investitionen in Wasser-Recycling haben viele Probleme beseitigt. Die Erde als vernetztes Natursystem leidet jedoch nach wie vor an erheblichen Erschöpfungszuständen.
Sie haben wiederholt die These vertreten, der vom Menschen gemachte Klimawandel sei nicht mehr abzuwenden, sondern allenfalls noch abzumildern. Ziemlich pessimistisch. Klaus Töpfer: Um es ganz deutlich zu sagen: Wir sind bereits mitten im Klimawandel. Die extremen Wettersituationen haben zugenommen, Hurrikane, Taifune und gewaltige Niederschläge treten immer häufiger auf. Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichen nicht einmal aus, um die Situation zu stabilisieren, geschweige denn sie zu verbessern.
Was muss getan werden, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen? Klaus Töpfer: Die Industrieländer müssen die CO2-Emissionen drastisch senken. Die Entscheidungen der EU, bis 2020 mindestens 20 % CO2 zu vermindern und auch eine Minderung um 30 % mitzutragen, gehen in die richtige Richtung, müssen nun aber auch durch konkrete Politik beschleunigt umgesetzt werden. Richtig ist aber auch: Wir müssen Strategien zur Anpassung an den Klimawandel entwickeln, insbesondere in Zusammenarbeit mit den am stärksten betroffenen Entwicklungsländern, vor allem in Afrika. Positive Impulse kommen dabei ausgerechnet von einer Seite, die bisher eher als Bremse angesehen worden ist – von der Wirtschaft. Viele große Unternehmen haben die Zeichen der Zeit begriffen und investieren selbst in Energieeffizienz, alternative Energien und Ressourcen-Schonung. Ich erwarte sogar, dass die Wirtschaft in manchen Ländern schneller vorangeht als die Regierung.
Können Sie uns ein paar Beispiele nennen? Klaus Töpfer: Hier gibt es inzwischen so viele Beispiele, dass es unfair wäre, einzelne Unternehmen herauszugreifen. Dringend notwendig ist ein beschleunigter Technologietransfer auch zu kleineren Unternehmen, vor allem aber auch weltweit in Zusammenarbeit mit den schnell wachsenden Schwellenländern. Die Bewegung muss sich aber weiter beschleunigen, denn sie ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Dazu müssen aber vor allem mittlere und kleinere Unternehmen in ihrem Engagement gefördert werden. Viele Mittelständler sind immer noch viel zu sehr dem Eindruck verhaftet, dass ihr Beitrag viel zu gering ist, um wirklich ins Gewicht zu fallen. Aus diesem Grund bin ich sehr froh, dass es mit dem KYOCERA-Umweltpreis eine Initiative gibt, die genau an dieser wichtigen Stelle ansetzt. Vieles lässt sich nämlich bereits mit den bereits vorhandenen Technologien umsetzen. Man muss nicht immer nach der großen, teuren Lösung suchen, im Gegenteil, lieber 100 kleine Maßnahmen als eine symbolische große.
Der KYOCERA-Umweltpreis läuft inzwischen seit vier Monaten. Lässt sich schon ein erster Trend bei den eingegangenen Bewerbungen feststellen? Klaus Töpfer: Ein klarer Trend hin zu ein oder zwei Lösungen lässt sich bisher nicht erkennen. Dies ist auch keineswegs zu bedauern – im Gegenteil. Die Vielzahl unterschiedlicher Ansätze belegt, dass Forschung und Entwicklung auf breiter Front vorankommen. Einige Beispiele: Es sind ebenso Bewerbungen für den Einbau von Solaranlagen und Wärmewellenheizungen wie für eine bessere Gebäudeisolierung eingegangen. Aber genau dies wollten wir ja auch erreichen, denn es gibt nicht nur einen Weg zum besseren Schutz der Umwelt. Wir hoffen, dass bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 31. März 2010 noch viele unterschiedliche Projekte eingereicht werden. |
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| Eine Plattform mit Informationen zum Thema Green IT und Klimaschutz finden Sie unter: |
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